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In der öffentlichen Diskussion über das Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) gehen durch die unvereinbaren Positionen der Experten in zunehmendem Maße Orientierungs- und Handlungsstrategien verloren. Leidtragende sind die betroffenen Kinder, Familien und die mit ihnen arbeitenden Fachkräfte (i. B. auch ErzieherInnen und LehrerInnen). Auf der einen Seite wird die Rolle von Organbefunden im Sinne einer "Hirnstoffwechselstörung" mit einer daraus abgeleiteten medikamentösen Therapie betont, während die andere Seite familiendynamisch oder systemisch orientierte Verstehens- und Handlungsmodelle unterstreicht. Diese Auseinandersetzung um Ursachen und Hilfsmöglichkeiten scheint sowohl auf der Ebene der Experten als auch auf der Ebene der betroffenen Eltern und Lehrer zu eskalieren. 1982 haben wir in Frankfurt versucht, das Thema, das seinerzeit noch unter dem Terminus "Hyperkinetisches Syndrom" (HKS) geführt wurde, einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. 25 Jahre später ist eine Klärung nicht in Sicht. Vor dem Hintergrund einer Lebenswelt, die für die Betroffenen und Beteiligten verstärkt zum Problem wird (Armut, Arbeitslosigkeit, Scheidung, Medien, Gewalt, Multikulti...), lässt sich eine Entwicklung aufweisen, die dazu führt, dass immer mehr Kinder als sogenannte ADS-Kinder etikettiert und übermäßig stark mit Medikamenten behandelt werden. Die problematische Rolle der Pharma-Industrie ist dabei ungebrochen. Die Frage, warum "einige Regionen, darunter Koblenz, gegenüber anderen Gegenden einen auffällig hohen Verordnungsanteil von Ritalin und ähnlichen Mitteln aufweisen" (Glaeske et al., BMG-Forschungsbericht, Teil 2, 2005), bedarf einer Antwort. In dieser Tagung geht es darum, mit Beiträgen aus den Erfahrungsbereichen Pädagogik, Psychotherapie, Familientherapie, Pharmakologie, Physiotherapie, Motopädagogik und Psychomotorik, die erkennbare Eskalation durch die Entwicklung von dialogischen Strukturen aufzubrechen. Dies führt nicht zu unverbindlicher Beliebigkeit, sondern eine präzise Abstimmung zwischen den beteiligten Personen und ihrem familiären, gesellschaftlichen und professionellen Umfeld wird ermöglicht. Theoretische Modelle, wissenschaftliche Daten und langjährige Praxiserfahrungen werden zusammengeführt und in wechselseitigem Austausch auf ihren Gewinn an Handlungsfähigkeit hin überprüft. Das Spektrum der Beiträge reicht von der frühen Kindheit über die Vorschulzeit bis ins Schulalter und thematisiert damit auch Vorstadien und frühe Formen der ADHS-Problematik. Dabei kommen grundlegende Aspekte von Entwicklungsprozessen zur Sprache.
Die Akkreditierung für Hessen (40 Punkte) und Rheinland-Pfalz liegt vor. Im Saarland und in Nordrhein-Westfalen entscheidet die jeweilige
Schulleitung. |